Was passiert beim Anweiden?

Da stehen sie wieder! Jeden Tag ein paar Minuten länger! Die Pferdeleute mit ihren Fellnasen! – Anweiden!

Warum ist das denn so wichtig? Und was passiert da eigentlich?

Um das zu ergründen, müssen wir den Verdauungsapparat unserer Samtnasen genauer betrachten:

Alle Pflanzenfresser benötigen, um die Zellwände ihrer pflanzlichen Nahrung aufschließen zu können, Gärkammern, in denen eine Unzahl von Mikroorganismen leben. Die Wiederkäuer (Rind, Ziege, Schaf, Reh, Hirsch) z. B. haben einen riesigen Magen, der in 5 Höhlen gekammert ist. Die Bekanntesten sind der Blättermagen und der Pansen.

Der Magen des Pferdes dagegen ist relativ klein. Er faßt nur ca. 15 bis 20 Liter. Der darauf folgende Dünndarm ist mit ca. 20 Metern auch nicht übermäßig voluminös und als Gärkammer nicht geeignet. Im Dünndarm werden vor allem die schnell verdaulichen Bestandteile der Nahrung (Zucker, Eiweiße, Fette) verarbeitet und aufgenommen.

Dann allerdings folgt der Dickdarm mit dem Blinddarm. Mit nur 8 Metern Länge hat der Dickdarm ein Fassungsvolumen von ca. 130 Litern. Dieser Darmabschnitt ist dicht besiedelt mit Mikroorganismen, die in der Lage sind, die schwer verdaulichen Raufaser, also die Gerüstoffe der Pflanze (Cellulose) zu verdauen und Nährstoffe (u. a. Vitamin B und Vitamin C) zu bilden, die dann durch die Darmschleimhaut ins Blut aufgenommen werden. Damit diese für das Pferd überlebenswichtigen Mikroorganismen erhalten bleiben, benötigen sie ständig rohfaserhaltiges Futter. Sonst sterben sie ab, was dramatische Folgen für die Gesundheit des Pferdes hat (z. B. Kolik).

Die Zusammensetzung dieses empfindlichen Systems hängt sehr stark von der Nahrungszusammensetzung des Pferdes ab.

Die meisten Pferde sehen ab Oktober frisches Grün nur von der Ferne und werden mit Heu, Heusilage, Kraftfutter und Müsli ernährt, das aus viel Celluose besteht. Über die Wintermonate siedeln sich in den Gärkammern des Pferdes hauptsächlich Mikrorganismen an, die eben diese zersetzen.

Das junge Weidegras im Frühjahr dagegen, ist reich an Futtereiweißen und Kohlenhydraten (Fruktanen). Um daraus die benötigten Nährstoffe zu erhalten, muss sich die Zusammensetzung der Mikroorganusmuskultur im Dickdarm ändern. Der dafür benötigte Zeitraum ist sehr individuell. Im Schnitt kann man mit 4 Wochen rechnen.

Das viele Eiweiß im frischen Weidegraß führt die Umstrukturierung der Darmflora hinaus aber noch zu einem weiteren Problem. Im Dünndarm können aufgrund des Überangebotes nicht alle Eiweiße aufgenommen werden und fließen mit den Verdauungssekreten in den Dickdarm. Das führt zu einem Anstieg der Abbauprodukte der Eiweiße (Harnstoff) im Blut. Durch den Anstieg an Harnstoff werden gerade in der Anweidezeit Leber und Niere stark belastet.

Nun könnte man sagen, dass Wildpferde doch auch nicht angeweidet werden. Aber dem ist nicht so, das übernimmt die Natur selbst. Das erste Grün sprießt sehr zaghaft und die Wildpferde nehmen davon nur wenig auf. Mit dem Fortschreiten des Wachstums fressen die Pferde auch mehr Weidegras. So gewöhnen sie ihre Verdauung langsam an die Änderung der Ernährung.

In unserer Kulturlandschaft läßt man das Grün zunächst ein wenig sprießen, bevor der Weidegang beginnt. Damit ist die Tafel für unsere Pferde sofort überreich gedeckt. Hinzu kommt, dass die Weiden das ganz Jahr über gepflegt und gedüngt werden und somit auch im Frühjahr gehaltvoller sind.

Wie können wir unsere Pferde und Ponies in dieser schwierigen Phase unterstützen?

Indem sie wirklich langsam angeweidet werden. Es gibt Pferde, die sind nicht so empfindlich, andere dagegen sehr. Da die Fruktanwerte im Weidegras auch tageszeit- und Temperaturabhängig sehr schwanken, gehe ich bei unserem Pony auf Nummer sicher und verlängere die Weidezeit in den ersten 2 Wochen täglich um 5 Minuten. Ab der 3. Woche verlängeren wir in 15 Minuten Schritten und weiden ab der 4. Woche 2 Mal täglich.

Zusätzlich kann man die Darmflora unterstützen indem man Probiotika zufüttert. Effektiven Mikroorganismen (EM) haben sich hier sehr bewährt.

Desweiteren sollte man Leber und Niere pflegen, indem man entsprechende Kräuter zu dem Futter dazugibt. Kräuter, die Leber und die Niere anregen sind u. a. Mariendistel, Artischocke, Brennessel, Löwenzahn und Pfefferminze. Diese sind in der HERBApur Kräutermischung LEBER+  von Vettherm enthalten. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit den Produkten von Vettherm gemacht, sowohl was die Akzeptanz, als auch was die Wirkung betrifft.

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