Senioren auf vier Pfoten 2. Teil – Was passiert beim Altern

Im ersten Teil von „Senioren auf vier Pfoten“ habe ich die Lebensjahre der Hunde und Katzen ins Verhältnis zu den Lebensjahren von uns Menschen gesetzt, um das Alter unserer Fellfreunde für uns fassbarer zu machen.

Wir erreichen den Zenit unserer körperlichen Leistungfähigkeit mit Anfang bis Mitte 20, unsere Hunde und Katzen mit ca. 2 bis 4 Jahren. Danach nimmt die Leistungfähigkeit zunächst langsam und kaum merklich ab, bis sich das Alter in körperlichen Beschwerden bemerkbar macht. Zu welchem Zeitpunkt das passiert ist sehr unterschiedlich und hängt von vielen Faktoren ab, die ich hier erläutern möchte.

Die Gene

Manchen Menschen sieht man ihr Alter nicht an. Sie sehen immer jünger aus, als sie tatsächlich sind. Landläufig sagt man, dass diese Menschen gut Gene haben. Das ist zum Teil auch richtig.

Die Erbinformation liegt als Chromosomen in jedem Zellkern vor. Diese Chromosomen verdoppeln und teilen sich bei jeder Zellteilung. Die Zellen in unserem Körper teilen sich ständig und bilden exakte Kopien der ursprünglichen Zelle mit genau dem gleichen Chromosomensatz im Zellkern, wie die Mutterzelle hatte.  Die einen Zellen teilen sich mehr, z. B. rote Blutkörperchen, die anderen weniger häufig, z.B. Knochenzellen.

Vielleicht kann sich noch der Ein oder Andere an den Biologieunterricht erinnern. Im Zellkern liegt aufgedröselt die DNA, die sich zur Teilung in lineare Stränge entwirrt und zu Chromosomen wird.  An den Enden der Chromosomen sitzen, wie puffernde Kappen sogenannte Telomere. Die Telomere werden zur Zellteilung benötigt, da sie die Chromosomen in der linearen Form halten.

Mit jeder Verdoppelung und somit auch Teilung der Zelle verkürzen sich die Telomere bis sie so kurz sind, dass keine Verdopplung der DNA und keine Zellteilung mehr möglich ist. Dann kommt die Zellteilung zum Erliegen und irgendwann stirbt die Zelle ab und wird nicht mehr durch eine neue ersetzt. Dies geschieht z. B. in der Muskulatur. Abgestorbene Muskelzellen werden zunächst durch Bindegewebe, schließlich durch Fett ersetzt.

Diesen Vorgang können wir leider nicht beeinflussen. Wir können bei unseren Tieren nur für ausreichend Bewegung sorgen, so dass die Muskulatur trainiert bleibt und nicht zusätzlich atrophiert.

Trockenheit

Eines der Hauptthemen des Alterns, das sich in allen Organe zeigt, ist fehlende Feuchtigkeit.

Bei uns Menschen zeigt sich dies zunächst in der Haut, die in der Jugend prall und fest ist und mit der Zeit  immer trockener und faltiger wird. Bei einigen unserer Fellnasen stellen wir fest, dass das Fell nicht mehr so glänzt und die Haut etwas schuppig wird. Bei Manchen „bleicht“ auch die Farbe etwas aus. Eine Kur mit Lachsöl, Bierhefe und Seealgenpulver während des Fellwechsels, kann da Wunder bewirken.

Weitere Organe, die unter Trockenheit leiden, sind die Verdauungsorgane. Die Verdauungssäfte werden nicht mehr in dem Maße hergestellt, wie sie benötigt würden. Die Anforderungen des alten Hundes an die Ernährung ändert sich  nicht nur in der Zusammenseztung, sondern auch in der Darreichung. In meine Praxis kommen immer wieder Hundebesitzer, die feststellen, dass ihre Hunde das Trockenfutter nicht mehr vertragen, vermehrt Gras fressen, häufigeres Erbrechen, bis hin zum Erbrechen von Blut oder Probleme mit dem Kotabsatz haben. Hier rate ich dringend zu einem Wechsel zu Feuchtfutter.

Auch Hunde, die gebarft werden, können im Alter mit der relativ schwer verdaulichen Rohkost Probleme bekommen. Hier rate ich dazu, den Muskelfleischanteil zu erhöhen, d. h. den Anteil an minderwertigen Proteinen (Pansen, Blättermagen, Lunge, Geflügelmagen etc.) zu reduzieren. Sollte das nicht ausreichen, kann man das Futter leicht andünsten. Gegebenfalls muss dann der Knochenanteil durch entsprechenden Kalzium-Präparate ersetzt werden, da Knochen nicht gegart gefüttert werden sollten.

Welche Auswirkungen das Altern auf das Tier, auf das Zusammenleben mit ihnen hat und was wir tun können, um sie zu unterstützen, beschreibe ich im nächsten Artikel.

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