Ist eine prophylaktische Stärkung des Immunsystems sinnvoll?

In meiner Praxis und auch in meinem Futtershop werde ich oft darauf angesprochen, dass den Hundebesitzern empfohlen wird, vorsorglich das Immunsystem zu stärken.

Ich freue mich sehr, dass ich zu diesem Thema gefragt werde und möchte dazu nun ein wenig zum Immunsystem allgemein und Stärkung des Immunsystems erklären.

Was ist das Immunsystem?

Das Immunsystem ist die Gesundheitspolizei des Körpers. Es ermöglicht erst dem menschlichen und dem tierischen Körper das Überleben in der feindlichen Umwelt.

Es gibt zwei grundlegend verschiedene Mechanismen der Immunabwehr. Das eine System ist angeboren und daher in gewisser Weise erregerunspezifisch, das andere System ist erworben und daher spezifisch für einen speziellen Erreger.

Schon sehr früh in der Evolution entwickelte sich die unspezifische oder angeborene Immunabwehr . Schon Einzeller schützen sich vor Giftstoffen und Eindringlingen.  Die Immunantwort ist genetisch festgelegt, deshalb angeboren und findet innerhalb von Minuten statt.

Die spezifische oder adaptive Immunabwehr, früher auch „erworbenes Immunsystem“ genannt, entwickelte sich aus der angeborenen Immunabwehr. Sie zeichnet sich durch die Anpassungsfähigkeit gegenüber neuen oder veränderten Krankheitserregern aus. Im Rahmen dieser Anpassung sind die Zellen der adaptiven Immunabwehr in der Lage, spezifische Strukturen (Antigene) der Angreifer zu erkennen und gezielt zelluläre Abwehrmechanismen und molekulare Antikörper zu bilden. Der Körper merkt sich diese Immunabwehr in Form von spezifischen Antikörpern und Gedächtniszellen, um bei erneutem Kontakt mit dem Krankheitserreger binnen kurzer Zeit eine angemessene Abwehrreaktion zu ermöglichen.

Das adaptive Immunsystem ersetzt aber nicht das angeborene, sondern arbeitet mit diesem zusammen. Die verschiedenen Bestandteile des Immunsystems bedingen sich gegenseitig. Erst durch ein gut koordiniertes Zusammenspiel der angeborenen und adaptiven Immunabwehr wird die komplexe Immunreaktion des Körpers ermöglicht.

Wofür braucht der Körper das Immunsystem?

Das Immunsstem unterscheidet zwischen körpereigenen und fremden Strukturen und kann hier noch in „Freund“ und „Feind“ einstufen.

Bestimmte körpereigene Strukturen müssen vom Immunsystem angegriffen werden, z.B. Zell-Leichen nach Entzündungen oder aus Alterungsprozessen, sowie die ständig entstehenden potentiellen Krebszellen. Nahrungsbestandteile und Medikamente müssen, obwohl sie „fremde Stoffe“ sind, toleriert werden, während Krankheitserreger angegriffen werden müssen. Unser Immunsystem muss also einen sehr feinfühligen Erkennungsdienst und Erinnerungsfunktionen haben. Die Information die das Immunsystem im Laufe der Zeit sammelt werden alle gespeichert und bleiben bei Bedarf abrufbar.

Was passiert, wenn das Immunsystem nicht richtig funktioniert?

Fast alle chronischen Erkrankungen sind auf Störungen des Immunsystems und des Regulationssystems zurückzuführen. Dazu gehören Autoimmunerkrankungen und Allergien.

Wie Autoimmunerkrankungen und Allergien entstehen ist bis heute nicht genau bekannt. Neben einer möglichen genetischen Komponente spielen Stressfaktoren für das Immunsystem eine große Rolle (unausgewogenen Ernährung, ungünstge Umweltfaktoren, frühere Erkrankungen), aber auch eine unausgewogene Zusammensetzung der Darmbakterien. Das Immunsystem reagiert auf harmlose Stoffe und/oder körpereigenes Gewebe überschießend. Mitnichten handelt es sich hierbei um eine Immunschwäche; das Immunsystem muss also nicht „gestärkt“ werden. Sinnvoll ist viel mehr eine Immunmodulation, die das Immunsystem so reguliert, dass es nicht mehr überschießend reagieren kann.

Wie unterstütze ich das Immunsystem?

Etwa 80% aller Abwehrzellen sind im Darmbereich zu finden. Darüber hinaus gehen von den Immunzellen im Darmbereich wichtige Impulse für das ganze Immunsystem aus. Deshalb ist es besonders wichtig, den Verdauungsapparat gesund zu erhalten. Das erreicht man beim Hund und bei der Katze ebenso wie beim Menschen durch ausgewogene und natürliche Ernährung, ausreichend Bewegung an der frischen Luft, der Zufuhr von ausreichend Flüssigkeit und ganz wichtig: ausreichend Schlaf!

Es wurde nachgewiesen, dass natürlich aufgenommene Vitamine, z. B, in Obst und Gemüse oder Hagebutte deutlich bessere Wirkung zeigen als synthetisch hergestellte, denen die ganzen Begleitstoffe fehlen. Ebenso gilt es für die Proteine. Proteine mit einer hohen biologischen Wertigkeit, d.h. Ähnlichkeit mit den körpereigenen Proteinen sind für den Körper besonders wertvoll.

Die Ernährung des Hundes als Fleischfresser sollte demnach hauptsächlich aus Fleisch, Innereien, Knochen und ein wenig Obst und Gemüse bestehen. Wasser sollte dem Tier immer zur Verfügung stehen. Bei der Frischfleischfütterung wird ein großer Teil des Flüssigkeitsbedarfes über das Futter gedeckt.

Auch Fisch sollte im Nahrungsangebot nicht fehlen.

Um das Immunsystem während der für den Organismus anstrengenden Zeit des Fellwechsels zu unterstützen, verabreiche ich meinen Hunden 2 mal im Jahr eine Kur mit probiotischem Joghurt. Auch während und nach anderer, das Immunsystem belastenden Ereignissen kann das Immunsystem auf diesem Wege gut unterstützt werden. Dazu zählen z.B. Zahnung, Läufigkeit, Stresssituationen, Antibiotikagabe etc.

Wenn sich aber zeigt, dass das Immunsystem so gestört ist, dass diese Maßnahmen nicht ausreichen, sollte mit immunmodulierenden Mitteln gearbeitet werden. Eine genaue Diagnosestellung ist dabei wichtig, so dass das richtige Mittel aus dem großen Angebot gewählt werden kann.

Kann ich mit einer vorbeugenden Stärkung des Immunsystems meinem Hund schaden?

Wenn der Hund gesund ist, d. h. keine Allergien oder Autoimmunerkrankungen hat, stellt eine Stimulierung des Immunsystems für den Körper kein Problem dar.

Allerdings – warum sollte ich das Immunsystem stärken, wenn das System funktioniert und das Tier gesund ist? In den meisten Fällen wird der Organismus mit den an ihn gestellten Aufgaben allein fertig. Erst, wenn sich zeigt, dass er nicht allein damit fertig wird, sollte man fachkundig regulierend eingreifen.

Hinzu kommt, dass jedes Arzneimittel, wirklich jedes, auch Nebenwirkungen hat: „Keine Wirkung ohne Nebenwirkung“ (Mutschler): Vitamin C schlägt auf den Magen und kann zu Nierensteinen führen, Zink kann zu Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen führen, Umckolabao kann zu Magen-Darm-Beschwerden, Zahnfleisch- und Nasenbluten, Hautausschlägen bis hin zu Leberschäden führen, Propolis kann Allergien verstärken und auch zu Allergien führen, um nur einige zu nennen.

Deshalb rate ich ab von prophylatkischer Stimulation des Immunsystems.

Wann ist es denn nötig, das Immunsystem zu stimulieren?

Es ist nicht nötig das Immunsystem zu stimulieren, nur weil der Körper mal einen kleinen Infekt hat. Das funktionierende Immunsystem wird damit fertig. Wenn das Tier aber nicht in adäquater Zeit wieder gesund wird oder einen Infekt nach dem anderen bekommt, dann ist es Zeit, das Immunsystem zu unterstützen.

Als Tierheilpraktiker unterstütze ich Sie gern, damit Sie mit ihrem Hund gesund durch die Jahreszeiten und andere schwierige Zeiten kommen.

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