Die Flexi-Leine

Die Flexi-Leine polarisiert.

Die Einen schwören auf sie, da sie ihrem Hund auf diesem Wege Freiheit geben und ihn trotzdem unter Kontrolle haben.

Wieder andere mögen die Flexi-Leine gar nicht, da sie nur eine scheinbare Freiheit gibt und der Hund sich viele schlechte Verhaltensweisen angewöhnen kann.

Ich mag die Flexi-Leine eigentlich gar nicht.

Immer wieder sehe ich, häufig kleine Hunde, die hechelnd an der straff gespannten Leine vor ihren Besitzer her japsen. Sie stehen in der Leine, als müssten sie ihre Menschen ziehen. Diese Hunde haben nicht gelernt, locker an der Leine zu gehen. Da die Leine aufgrund ihres Mechanismus immer auf Spannung ist, ist durchgehend Zug auf der Leine. Der Hund muss also ständig gegen diesen Zug anarbeiten. Das führt auf Dauer zu Verspannungen und Schmerzen – darauf möchte ich als ganzheitliche Hundephysiotherapeutin hinweisen.

Weiterhin ist der Hund auch nur scheinbar unter Kontrolle. Ein Hund, der mit Schwung in die 5m-Leine rennt, setzt ganz schön viel Kraft frei, die einem auch mal das Haltestück aus der Hand reißt. Da, wie oben besprochen, die Leine immer unter Spannung steht, saust dieser Haltegriff nun auf den Hund zu und scheppert hinter ihm her. Die meisten Hunde reagieren darauf panisch und rennen weg.

Schwierig finde ich auch den Bewegungsradius, den die Hunde mit der Leine haben. Er geht ja nicht nur nach vorn oder hinten, sondern in genau diesem Radius auch um den Hundeführer herum. Wenn also auf einmal auf der anderen Straßenseite der Lieblingsfeind auftaucht, muss man Glück haben, wenn gerade kein Auto kommt….

Und doch führe ich Chewie seit Neuestem bei uns auf dem Feld an der Leine. Warum? – Chewie hat einen Lieblingsfeind. Der steht alle paar Monate ganz plötzlich vor uns. Wenn sich die beiden sehen, wird es laut. Das größere Problem ist aber der Besitzer. Er rennt weg, tritt dabei zwischen die sich ankeifenden Hunde und fällt. Das geht natürlich nicht. Ich habe große Sorge, dass er sich einmal verletzt. Leider lässt sich der andere Hundebesitzer nicht darauf ein, dass wir daran arbeiten. Dann muss Chewie eben an die Leine. Da ich aber nicht an jedem Grashalm stehen bleiben möchte, den ein Rüde interessant findet, nehme ich eben die Flexi-Leine.

Handel ich dabei nicht entgegen meiner Prinzipien? Könnte man so sehen, ABER! Chewie ist 9 Jahre alt. Er geht super an der durchhängenden Leine und lässt sich sonst auch sehr gut abrufen. Ich gehe nur dort mit der Flexi-Leine, wo ich seinem Feind begegnen könnte. Sonst läuft er, wie Leia, frei oder an der Führleine.

Manchmal muss man, zur Sicherheit aller Beteiligten andere Wege gehen und entsprechende Management-Maßnahmen ergreifen.

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