Das Unterwasserlaufband in der Hundephysiotherapie

Vor ein paar Wochen habe ich für meine Praxis eine große Anschaffung getätigt: ein Unterwasserlaufband.

Nun werde ich immer wieder gefragt, welchen Sinn hat denn so ein Unterwasserlaufband (UWL)? Der Hund läuft doch sowieso! Der Bewegungsablauf ist doch gleich! – Nein, ist er nicht!

Wenn man sich mal anschaut, wie ein Hund sich in „freier Wildbahn“ bewegt, stellt man fest, das Tier hat fast immer ein Ziel. Es fixiert etwas an, bewegt sich dort hin, bereitet sich darauf vor, das Ziel zu untersuchen oder aufzunehmen und beendet die Fortbewegung, wenn das Ziel erreicht ist. Der Hund passt seine Bewegungen dabei seinem Vorhaben, Fixieren und Aufheben des Ziels (Senken des Kopfes, Anschleichen), dem eventuell unebenen Boden (Wald, Hindernisse) und seinen körperlichen Möglichkeiten an.

Im Unterwasserlaufband hat der Hund kein Ziel. Der Boden ist immer gleich. Der Hund muss hier nichts ausgleichen.

Auch die Motivation zur Fortbewegung ist eine Andere: Das Tier steht auf einem Laufband und mit der Bewegung des Laufbandes wird die Bewegung der Beine reaktiv ausgelöst.

Die Bewegung selbst erfolgt meist im dynamischen Schritt und ist gleichmäßig. Im Schritt erfolgt die Bewegung des Gelenkes am optimalsten, die gesamte Gelenkfläche wird be- und entlastet, so dass der Knorpel möglichst optimal ernährt wird. In den anderen Gangarten wird nur ein kleiner Teil der Gelenkfläche benutzt und somit ernährt. Auch ist im Schritt die Zeit der Belastung der Gliedmaße länger und somit wird die Muskulatur im Schritt effektiver trainiert.

Im Trab werden höhere Ansprüche an die Koordination des Hundes gestellt.

Das Training wird durch unterschiedliche Wasserhöhen, Steigungswinkel und der Laufbandgeschwindigkeit gestaltet.

Dadurch können einerseits Kondition, Koordination und Kraft des Hundes im Allgemein trainiert werden, andererseits, durch Änderung des Steigungswinkels, aer auch Kraft und Koordination der Vorder- oder der Hintergleidmaßen trainiert werden.

Eine weitere Nutzung des Unterwasserlaufbandes ist die Rekonvaleszenz nach Operationen, z. B. Kreuzband-OP. Durch den Auftrieb des Wassers kann der Hund die Gehbewegung durchführen, ohne das operierte Bein voll belasten zu müssen. Durch unterschiedliche Wasserstände kann die Belastung stetig und kontrolliert gesteigert werden.

Auch Hunde mit Lähmungen profitieren stark vom UWL. Durch die reaktive und sich ständig wiederholende Bewegung der Beine auf dem Laufband lernen die Hunde wieder das Laufen.

Und zum guten Schluß stellt das Unterwasserlaufband ein gutes Trainingsgerät für übergewichtige Hunde dar. Man kann die Trainingseinheiten so gestalten, dass andere gesundheitliche Probleme ( Arthrose) berücksichtigt werden. Die Steigerung des Trainings kann langsam, kontrolliert und individuell erfolgen.

Ein wichtiger Punkt zum Schluß: Das Training im Unterwasserlaufband ist für den Hund wirklich anstrengender Sport. Er läuft im zügigen Schritt gegen den Wasserdruck womöglich mit einer Steigung und bringt hier Höchstleistung. Kein Sportler vollbringt Leistung ohne sich und seine Muskeln darauf vorzubereiten. Aus diesem Grund sollten auch die Muskeln des Hundes auf diese Anstrengung vorbereitet werden. Vor dem Training im UWL ist es wichtig Blockaden und Verspannungen zu entfernen und passive Dehnungen durchzuführen, so dass sich das Tier locker und schmerzfrei bewegen kann.

Kommentare sind geschlossen.