14. September 2018
von Sabine Schlebusch
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Senioren auf vier Pfoten 2. Teil – Was passiert beim Altern

Im ersten Teil von „Senioren auf vier Pfoten“ habe ich die Lebensjahre der Hunde und Katzen ins Verhältnis zu den Lebensjahren von uns Menschen gesetzt, um das Alter unserer Fellfreunde für uns fassbarer zu machen.

Wir erreichen den Zenit unserer körperlichen Leistungfähigkeit mit Anfang bis Mitte 20, unsere Hunde und Katzen mit ca. 2 bis 4 Jahren. Danach nimmt die Leistungfähigkeit zunächst langsam und kaum merklich ab, bis sich das Alter in körperlichen Beschwerden bemerkbar macht. Zu welchem Zeitpunkt das passiert ist sehr unterschiedlich und hängt von vielen Faktoren ab, die ich hier erläutern möchte.

Die Gene

Manchen Menschen sieht man ihr Alter nicht an. Sie sehen immer jünger aus, als sie tatsächlich sind. Landläufig sagt man, dass diese Menschen gut Gene haben. Das ist zum Teil auch richtig.

Die Erbinformation liegt als Chromosomen in jedem Zellkern vor. Diese Chromosomen verdoppeln und teilen sich bei jeder Zellteilung. Die Zellen in unserem Körper teilen sich ständig und bilden exakte Kopien der ursprünglichen Zelle mit genau dem gleichen Chromosomensatz im Zellkern, wie die Mutterzelle hatte.  Die einen Zellen teilen sich mehr, z. B. rote Blutkörperchen, die anderen weniger häufig, z.B. Knochenzellen.

Vielleicht kann sich noch der Ein oder Andere an den Biologieunterricht erinnern. Im Zellkern liegt aufgedröselt die DNA, die sich zur Teilung in lineare Stränge entwirrt und zu Chromosomen wird.  An den Enden der Chromosomen sitzen, wie puffernde Kappen sogenannte Telomere. Die Telomere werden zur Zellteilung benötigt, da sie die Chromosomen in der linearen Form halten.

Mit jeder Verdoppelung und somit auch Teilung der Zelle verkürzen sich die Telomere bis sie so kurz sind, dass keine Verdopplung der DNA und keine Zellteilung mehr möglich ist. Dann kommt die Zellteilung zum Erliegen und irgendwann stirbt die Zelle ab und wird nicht mehr durch eine neue ersetzt. Dies geschieht z. B. in der Muskulatur. Abgestorbene Muskelzellen werden zunächst durch Bindegewebe, schließlich durch Fett ersetzt.

Diesen Vorgang können wir leider nicht beeinflussen. Wir können bei unseren Tieren nur für ausreichend Bewegung sorgen, so dass die Muskulatur trainiert bleibt und nicht zusätzlich atrophiert.

Trockenheit

Eines der Hauptthemen des Alterns, das sich in allen Organe zeigt, ist fehlende Feuchtigkeit.

Bei uns Menschen zeigt sich dies zunächst in der Haut, die in der Jugend prall und fest ist und mit der Zeit  immer trockener und faltiger wird. Bei einigen unserer Fellnasen stellen wir fest, dass das Fell nicht mehr so glänzt und die Haut etwas schuppig wird. Bei Manchen „bleicht“ auch die Farbe etwas aus. Eine Kur mit Lachsöl, Bierhefe und Seealgenpulver während des Fellwechsels, kann da Wunder bewirken.

Weitere Organe, die unter Trockenheit leiden, sind die Verdauungsorgane. Die Verdauungssäfte werden nicht mehr in dem Maße hergestellt, wie sie benötigt würden. Die Anforderungen des alten Hundes an die Ernährung ändert sich  nicht nur in der Zusammenseztung, sondern auch in der Darreichung. In meine Praxis kommen immer wieder Hundebesitzer, die feststellen, dass ihre Hunde das Trockenfutter nicht mehr vertragen, vermehrt Gras fressen, häufigeres Erbrechen, bis hin zum Erbrechen von Blut oder Probleme mit dem Kotabsatz haben. Hier rate ich dringend zu einem Wechsel zu Feuchtfutter.

Auch Hunde, die gebarft werden, können im Alter mit der relativ schwer verdaulichen Rohkost Probleme bekommen. Hier rate ich dazu, den Muskelfleischanteil zu erhöhen, d. h. den Anteil an minderwertigen Proteinen (Pansen, Blättermagen, Lunge, Geflügelmagen etc.) zu reduzieren. Sollte das nicht ausreichen, kann man das Futter leicht andünsten. Gegebenfalls muss dann der Knochenanteil durch entsprechenden Kalzium-Präparate ersetzt werden, da Knochen nicht gegart gefüttert werden sollten.

Welche Auswirkungen das Altern auf das Tier, auf das Zusammenleben mit ihnen hat und was wir tun können, um sie zu unterstützen, beschreibe ich im nächsten Artikel.

29. August 2018
von Sabine Schlebusch
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Senioren auf vier Pfoten- 1. Das Alter unserer Hunde und Kazten

Viele Tierbesitzer sind überrascht, wenn ich ihnen erkläre, dass ihr Fellfreund so langsam aber sicher zu den Senioren gehört und man darauf auch eingehen sollte.

Um für uns fassbarer darstellen zu können, ab welchem Alter ein Hund oder eine Katze ein Senior wird, setzen wir die Lebenszeit unserer Fellfreunde am Besten zu etwas ins Verhältnis, mit dem wir uns identifizieren können, zu unserer eigenen Lebenszeit.

Lange Zeit hat man behauptet, innerhalb eines Jahres macht ein Hund die Entwicklung durch, die ein Mensch in 7 Jahren durchmachen würde, also 1 Hundejahr entspricht 7 Menschen Jahren. Doch so einfach ist das nicht. Die Statistik zeigt, kleine Hunde leben viel länger als große Hunde:

Chihuahua: 12-20 Jahre

Labrador: 12 – 13 Jahre

Neufundländer: 8 – 10 Jahre

Nach der Formel 1:7 würde ein Chiuahua bis zu 140 Jahren alt, ein Neufundländer ca. 70 Jahre.

Das liegt daran, dass die großen Hunde im Verhältnis zu ihrem Geburtsgewicht viel mehr wachsen, als die kleinen Hunde. Eine Dogge z. B. verhundertfacht ihr Geburtsgewicht innerhalb eines Jahres, während ein Dackel nach einem Jahr sein Geburtsgewicht nur etwa verzwanzigfacht.

Entsprechend ist auch die Wachstumsphase bei kleinen Rassen (7 – 10 Monate) deutlich kürzer als bei großen Rassen (18 – 24 Monate)

Nach Cornelia Kraus, Evolutionsbiologin, liegt darin auch der Grund in dem schnelleren Altern von Hunden großer Rassen: Sie wachsen sehr schnell. die Zellen teilen sich während des Wachstums häufig und schnell. Dabei können schnell Fehler passieren und z. B. Tumorzellen entstehen. Große Hunde sterben statistisch gesehen auch früher an Krebs.

Bei großen Hunderassen scheint es zu sein, als ob sie das Erwachsenenleben im Zeitraffer erleben.

Um das Alter eines Hundes zu berechnen schlagen Experten nun statt der 1:7-Formel eine komplizierte Gleichung aus Lebensjahren, Körpergröße und Rasse vor. In diese Formel sind alle neuen Erkenntnisse eingeflossen, und sie sieht zudem verschiedene Berechnungsmethoden je nach Altersstufe des Hundes vor.

Beim jungen Hund bis zu zwei Jahren ist die Körpergröße entscheidend:

– kleine Hunde: Ein Menschenjahr sind 12,5 Hundejahre (1:12,5)

– mittlere Hunde: 1:10,5

– große Hunde: 1:9

Ab zwei Jahren Alter kommt die Rasse ins Spiel, was für eine Bulldogge den Faktor 1:13,4 ergibt, 1:7,84 für einen Deutschen Schäferhund und 1:4,32 für einen Dackel.

Bei der Katze nahm man ebenfalls ein Verhältnis Katzenjahre zu Menschenjahre von 1:7 an. Bei genauerer Betrachtung kann dies, ebenso wie beim Hund, aber nicht richtig sein. Inzwischen nimmt man folgendes an:

Umrechnung Katzenjahre in Menschenjahre

Kopie von Katzenjahr vs. Menschenjahr

KatzenjahrMenschenjahr
0,251
0,34
0,512
115
224

Ab dem 3. bis zum 16 Lebensjahr entspricht 1 Katzenjahr 4 Menschenjahren. Danach reduziert sich das Verhältnis auf 1:3

Nun haben wir das Alter unserer Fellfreunde in ein für uns fassbares Verhältnis gesetzt. Aber ab welchem Alter machen sich denn bei uns die ersten Alterserscheinungen bemerkbar und welche sind das?

Tatsächlich sind wir Menschen mit Anfang bis Mitte 20 ausgewachsen und haben das Zenit unserer körperlichen Leistungfähigkeit erreicht. Ab ca. 35 geht es bergab, wir beginnen zu altern. Zunächst zwar langsam und kaum merklich, dann aber doch immer bemerkbarer, v. A. für die betroffene Person selbst. Mit einem Alter von ca. 70 Jahren spürt eigentlich jeder den Zahn der Zeit.

Übertragen auf unsere Fellnasen beginnen mit ca. 2 bis 4 Jahren ihre besten Jahre. Ab einem Alter von 3 bis 6 Jahren, je nach Rasse, beginnen auch sie zu altern.

Das ist erschreckend früh!

Warum wir und unsere Vierbeiner altern, erläutere ich im nächsten Teil

8. August 2018
von Sabine Schlebusch
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Tierschutzorganisationen!!!!

Es gibt solche und solche Tierschutzorganisationen. Vor Kurzem habe ich durch eine Kundin mal wieder indirekt Bekanntschaft mit einer Tierschutzorganisation der anderen Art gemacht.

Meine Kundin hat, nachdem sie ihre alte Hündin einschläfern lassen musste, sich dazu entschlossen einem etwas älteren Hund aus Sardinien ein neues zu Hause zu schenken. Maura war ein toller Hund! Unwahrscheinlich lieb, geduldig mit den Enkelkindern und baute auch sofort eine starke Bindung zu meine Kundin auf. Sie war erst seit ein paar Wochen in Deutschland, auf einer Pflegestelle, bevor meine Kundin sie übernahm.

Von der Tierschutzorganisation bekam sie mit auf den Weg, dass sie den Hund nach ca. 6 Monaten beim Tierarzt auf Mittelmeerkrankheiten testen lassen soll!

Maura war etwas dick. Sonst machte sie einen gesunden Eindruck.

Meine Kundin schloss die kleine Hündin schnell in ihr Herz und war auch sehr glücklich mit ihr.

Nach ungefähr 6 Wochen blutete Maura stark aus der Nase. Meine Kundin fuhr mit dem Hund sofort zum Tierarzt, der den Hund untersuchte und sie dann weiter verwies an die Tierklinik. Hier wurde der Hund dann stationär aufgenommen.

Diagnose: Leishmaniose und Herzwürmer!!!!

Leishmaniose, rechtzeitig erkannt, hat eine gute Prognose und ist mit der richtigen Diät und Medikation gut behandelbar. Die Hunde haben eine annähernd normale Lebenserwartung.

Bei Herzwürmern sieht das schon wieder anders aus. Diese Würmer werden, wie die Leishmaniose durch Stechmücken übertragen. Sie entwickeln sich zu bis zu 30 cm langen Würmern, die in den Blutgefässen schwimmen und sich dort vermehren. Tötet man diese Würmer ab, kann  der Hund einen anaphylaktischen Schock bekommen. Die Prognose ist ab einem gewissen Stadium schlecht! Die meisten Hunde sterben an den Herzwürmern. Da die Erkrankung in unseren Breitengraden nicht sehr häufig ist, gibt es auch nur wenige Ärzte, die sich mit den Herzwürmern gut auskennen, für die die Behandlung Routine ist.

Maura kam nun also nach 3 Tagen stationärer Behandlung inkl. Bluttransfusion wieder nach Hause. Sie war zwar geschwächt, machte aber einen guten Eindruck.

Zwei Tage später blutete Maura wieder stark aus der Nase!

Meine Kundin fuhr mit wehenden Fahnen wieder zum Tierarzt! Dieser kontaktierte  sofort den behandelnden Tierarzt der Tierklinik und beriet sich eingehend mit diesem. Gemeinsam kamen sie dann zu dem Schluß, dass es für das Tier das Beste sei, erlöst zu werden.

Meine Kundin ist am Boden zerstört.

Die ganze Zeit stand sie mit der Tierschutzorganisation in Kontakt, hat um Hilfe gebeten. Hat nach Ärzten in der Nähe gefragt, die sich mit dem Krankheitsbild auskennen! Als Information bekam sie den Namen eines Professors!, der in München! an Herzwürmern forscht!

Als meine Kundin nun den Damen der Tierschutzorganisation mitteilte, dass sie Maura einschläfern lassen mussten, haben sie meiner Kundin auch noch Vorwürfe gemacht, sie hätte zu früh aufgegeben! Sie hätten in Heidelberg! eine Ärztin, die hätte den Hund kostenlos! behandelt! Sie hätte also den stark blutenden Hund von Neuss nach Heidelberg bringen sollen! Auf eigene Kosten! Ganz davon abgesehen, das die Tierarztkosten sowieso schon im 4-stelligen Bereich lagen, – wie soll das gehen?!?

Hätte diese Ärztin nicht auch einen Test auf Mittelmeerkrankheit und auf Parasiten machen können?!?! und nicht erst ihre Hilfe anbieten, wenn das Tier erkrankt ist?

Dem Hund, meiner Kundin und ihrer Familie wäre viel Leid erspart geblieben, wenn man von der Erkrankung gewußt hätte!

Vielleicht würde Maura noch leben, wenn man die Herzwürmer rechtzeitig erkannt hätte!

Ich bin sauer und fassungslos, dass sich die Damen des Tierschutzvereins aus der Verantwortung ziehen und weiterhin ungetestete Tiere vermitteln! Sie hatten sogar meiner Kundin einen weiteren Hund angeboten, bei dem sie dann den Test auf Mittelmeerkrankheiten übernehmen würden….

Das ist für mich kein Tierschutz!

Das ist Abzocke!

1. August 2018
von Sabine Schlebusch
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Neulich in der Hunde-Runde-Whats-App-Gruppe!

Neulich gab es in der Hunde-Runde-Whats-App-Gruppe eine für mich interessante Diskussion.

Ein Hund, der ebenfalls auf der von uns favorisierten Gassi-Runde ausgeführt wird, dessen Besitzer aber nicht in der Whats-App-Gruppe sind, leidet schon seit mehreren Tagen an starkem Durchfall. Es spritzt nur so aus dem Hund heraus. Die Besitzer scheint das aber nicht zu kümmern und unternehmen scheinbar nichts.

Das wurde nun in der Gruppe diskutiert. Nachdem nun diverse Therapiemöglichkeiten angesprochen wurden, wurde auch festgestellt, dass gerade Magen-Darm-Probleme in der letzten Zeit gehäuft vorkommen.

Unter den Gruppenmittgliedern gibt es auch Welpen- und Junghundbesitzer, aber auch Besitzer von Senioren, deren Immunsystem unter Umständen auch nicht mehr so stabil ist. Schnell wurden Töne laut von mangelnder Rücksichtnahme und dass die Ansteckungsgefahr aller Hunde und speziell der Welpen doch sehr groß sei.

Womit sie alle Recht haben.

Doch die meisten dieser Hunde-Runden-Whats-App-Gruppen-Mitglieder sammelt die Hinterlassenschaften ihres Vierbeiners nicht auf. Auf den Wegen, neben den Wegen, alles ist übersät von Hundehaufen. Bei dem richtigen Wetter stinkt es dort zum Himme!

Diese Hunde können, auch wenn sie im Moment keine Symptome zeigen, Überträger von Erkrankungen und Parasiten sein.

Giardien können monatelang in der Erde überleben und dann mit dem nächsten Trunk aus der Pfütze aufgenommen werden. Erwachsene Hunde zeigen meist keine Symptome, sind aber Überträger!

Würmer werden über das Schnüffeln am Kot übertragen.

Auch wenn ein Hund keine Symptome eines Magen-Darm-Virus zeigt, kann er trotzdem den Virus haben und verbreiten.

Sowohl Würmer als auch Viren können über den Hund auch den Menschen infizieren. Ein beliebtes Opfer sind kleine Kinder und alte immungeschwächte Menschen. Wenn wir zufällig in so einen Haufen hineintreten, können wir diese Erreger bis ins hinterste Kinderzimmer, in jedes Schlafzimmer und in jedes Krankenzimmer tragen.

Es könnte so einfach sein! Man müsste nur konsequent den Kot einsammeln. Das wäre besser für unsere Gesundheit, die Gesundheit unserer Hunde und für unseren Geldbeutel.

So viel zum Thema Rücksichtnahme!

25. Juli 2018
von Sabine Schlebusch
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Hitze-Füsse!

In meiner Praxis werden mir zur Zeit vermehrt Hunde vorgestellt, die etwas unrund laufen oder sogar humpeln. Auch nach eingehender Untersuchung der Gliedmaßen und des Rückens kann ich oft keine schmerzhaften Gelenke oder Muskeln finden, nur eine allgemeine Empfindlichkeit der Pfoten.

Bei der Untersuchung der Unterseite der Pfoten stelle ich oft fest, dass die Ballen sehr weich und empfindlich sind. Die Hornhaut ist weicher geworden. Häufig zeigen die Ballen auch helle Verfärbungen. Die meisten Besitzer, denen ich das zeige, sind überrascht und auch erschrocken

Zwischen den Ballen ist die Haut meist rosa und wund, gelegentlich finden sich auch kleine Wunden.

Die meisten Besitzer, denen ich das zeige, sind überrascht und auch erschrocken!

Wie kann denn das passieren?

Die Hitze heizt den Boden auf. Jeglichen Boden, nicht nur den Asphalt. Auch die staubige Erde am Feld wird heiß. Wie heiß so ein Sandstrand werden kann, kennt wohl jeder aus dem Urlaub…

Um dem auszuweichen laufen viele Hunde (meine auf alle Fälle) auf dem Grünstreifen, der nun aber auch eher aus verdorrtem, pieksigem Gras und Kraut besteht. Das sticht zwischen die Ballen und kann so zu kleinen Verletzungen führen.

Aber was können wir dagegen tun? Wir können unsere Vierbeiner ja nicht schwebend durch die Gegend führen und gelegentlich müssen sie auch mal ein paar Meter über heißen Asphalt oder anderen Boden laufen. Es ist auch nicht jedermanns Sache nur im Dunkeln Gassi zugehen…

Prinzipiell vermeide ich Spaziergänge in der Sonne. Unsere Hauptrunde bestreiten wir morgens.

Sollte ich mit meinen Hunden später am Tag gehen müssen, lasse ich sie weitestgehend selbst entscheiden, wo sie gehen. Das heißt, sie laufen an so langer Leine, dass sie ohne Probleme im Schatten gehen können. Auch der kleinste Schatten einer Hecke wird dann häufig genutzt.

Vor dem Schlafen gehen kontrolliere ich die Ballen und Ballenzwischenräume der Hunde. Wenn ich nun trotz aller Vorsicht feststelle, dass die Hundepfoten wund werden, koche ich einen starken Sud aus schwarzem Tee. Dazu nehme ich ca. 10 bis 15 Teebeutel schwarzen Tee und gieße dies mit 500 ml heißem Wasser aus. Das lasse ich mehrere Stunden ziehen.

Dieser Sud ist reich an Gerbstoffen, die die Haut beruhigen,  Hornhautbildung anregen, wunde Haut trocknen und die Heilung unterstützen.

Nach jedem Gassigang tupfe ich sowohl die Ballen als auch die Zwischenräume mit diesem Sud ab und lasse es trocknen. Weiße Pfoten können sich dabei etwas verfärben.

Sollte der Hund allerdings ständig zwischen den Zehen lecken und ein Leckekzem entstehen, reicht diese Behandlung nicht aus. Dann sollte dringend ein Tierarzt oder eine Tierheilpraktiker konsultiert werden.

Auch bei offenen und/oder eitrigen Wunden ist ein Besuch eines Fachmannes von Nöten.

18. Juli 2018
von Sabine Schlebusch
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Maulhygiene des Hundes 3. Teil (Zahnstein beim Hund)

In Teil 1 habe ich mich mit der Anatomie des Hundemauls und in Teil 2 mit Zahnbelag/-plaque beim Hund, den Risiken und der Prophylaxe beschäftigt. In diesem 3. Teil geht es um Zahnstein beim Hund, Risiken und Prophylaxe gegen Zahnstein beim Hund.

Der Hund stinkt aus dem Maul, kaut nicht mehr so gern, nimmt das Futter seltsam auf. Häufig sind das die Gründe, warum die Besitzer mit ihren Hunden bei mir in der Praxis vorstellig werden. Die Hunde haben Zahnstein, häufig schon im fortgeschrittenen Stadium.

Wie entsteht Zahnstein?

Zahnstein entsteht aus dem Zahnbelag (siehe Maulhygiene 2. Teil) und Mineralien aus dem Speichel (Hauptsächlich Calcium- und Phosphatverbindungen).

Diese Mineralien haben auch eine physiologische Aufgabe: sie können kleine Verletzungen des Zahnschmelzes reparieren.

Allerdings durchsetzen diese Mineralien auch den Plaque und verhärten ihn. Dies geschieht meist zunächst am Zahnfleischrand. Der so entstandene Zahnstein hat eine raue Oberfläche, auf denen sich Bakterien wunderbar ansiedeln und vermehren können und so erneut Zahnbelag auf dem Zahnstein bilden. Mit der Mineralisierung dieses Zahnplaques entsteht eine neue Schicht Zahnstein.

Der Zahnstein wächst nicht nur den Zahn entlang, sondern schiebt sich auch zwischen Zahnfleisch und Zahn. Er löst somit den Zahnhalteapparat, so dass der Zahn schließlich wackelt und schlimmsten Falls raus fällt. Dadurch entzündet sich auch das Zahnfleisch.

Zahnstein ist zunächst weiß. Mit zunehmender Dicke des Zahnsteins kann man eine Farbveränderung zunächst ins Gelbliche, schließlich ins Braune bis hin zum Schwarz beobachten. Diese Farbveränderung kommt durch die Einlagerung von Bestandteilen des Blutes zustande.

Ist Zahnstein gefährlich?

Wie zuvor schon erwähnt schiebt sich der Zahnstein zwischen Zahnfleisch und Zähne in die Zahntaschen. Mit fortschreitendem Zahnstein löst sich der Zahnhalteapparat immer mehr. Die Zähne lockern sich zunächst, bis sie schließlich ganz raus fallen.

Die auf dem Zahnstein befindlichen Bakterien wandern mit dem Zahnstein in die Zahntaschen hinein und produzieren hier schmerzhafte Entzündungen.

Ob diese Bakterien Entzündungen innerer Organe (Herz, Niere…) hervorrufen, darüber ist man sich nicht ganz einig. Auf alle Fälle hat man die gleiche Art Bakterium bei diesen Erkrankungen festgestellt.

Prohylaxe gegen Zahnstein beim Hund

Die beste und eigentlich einzige Prophylaxe gegen Zahnstein beim Hund als auch beim Menschen ist die Entfernung des Zahnbelages durch tägliches Zähneputzen. Ich verwende dafür keine Zahnbürste sondern Fingerlinge aus Silberionen-bestzter Mikrofaser. Mit dem Fingerling kann  man die Zähne erfühlen und behutsam einzeln abreiben, während mit der Zahnbürste aufgrund fehlender Sensitivität häufig schmerzhaft in die Backentaschen gestoßen wird.

Sie müssen sich mal spasseshalber von einer 2. Person die Zähne putzen lassen. Das ist sehr schmerzhaft…

In meiner Praxis habe ich gute Erfahrungen mit Fortan Zahnreinigung gemacht. Man gibt einige Tropfen der Lösung auf den Fingerling und reibt damit Zähne und Zahnfleisch ab. Fortan ist auf Kokosölbasis und enthält antibakterielle Kräuter, die bei 2 bis 3x wöchentlicher Anwendung Zahnfleisch und Zähne pflegen.

Desweiteren verwende ich noch die Ultraschall-Zahnbürste Emmi-Pet. Mit einer Frequenz von 96 Millionen reinigt sie die Zähne und tötet Bakterien ab. Auch hier ist eine regelmäßige Anwendung notwendig, um den Zahnstein in Schach zu halten.

Zahnsteinentferung ohne Narkose beim Hund

In meiner Praxis biete ich Zahnsteinentferung ohne Narkose an. Ich empfehle meinen Patienten nach der professionellen Zahnsteinentfernung eine regelmäßige Zahnsteinkontrollen (alle 4 bis 6 Monate). In meiner Praxis werden bei diesen Kontrollen dann auch wieder auftretender Zahnstein fürhzeitig entfernt.

Bei weiteren Fragen sprechen Sie mich gern an.

11. Juli 2018
von Sabine Schlebusch
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Maulhygiene des Hundes 2. Teil (Zahnbelag beim Hund)

Im ersten Beitragsteil zum Thema Maulhygiene wurde die Anatomie des Hundemauls näher beleuchtet. In diesem Teil möchte ich mich dem Thema Zahnplaque, oder auch Zahnbelag beim Hund widmen.

Wie entsteht Zahnbelag?

In der Maulhöhle befinden sich unzählige Bakterien. Die einen sind gut und wichtig, wieder andere schaden. Einige dieser Bakterien setzen sich ein paar Stunden (4 – 6 Stunden) nach dem Zähneputzen nahe des Zahnfleischrandes auf die Zähne und bilden einen klebrigen, farblosen Film. Dieser Film wird auch als Biofilm, oder dentale Plaque bezeichnet und setzt sich zusammen aus Bestandteilen des Speichels, Nahrungsresten und bakteriellen Substanzen. Diese Schleimschicht bietet den Bakterien Schutz vor äußere Einflüssen.

Warum ist Zahnbelag gefährlich?

Plaque ist zunächst ungefährlich. Mit der Zeit lagern sich aber immer mehr Bakterien an. Diese Bakterien ernähren sich meist von Zuckern (Kohlenhydrate) und bilden daraus Säuren (z. B. Milchsäure), die den Zahnschmelz angreifen. Daraus entsteht schließlich Karies. Je mehr Zucker diese Bakterien bekommen und je dicker dieser Biofilm ist, desto größer ist die Gefahr Karies zu bekommen.

Was kann ich beim Hund gegen Zahnbelag tun?

Die beste Prophylaxe gegen diesen Zahnbelag ist auch bei Hunden das regelmäßige Zähneputzen. Mindestens ein Mal pro Tag sollten die Zähne gereinigt werden. Ich empfehle, einen Fingerling oder ein Tuch mit einer rauen Oberfläche zu vewenden. Von Zahnbürsten rate ich ab. Wer sich jemals von jemand anderem die Zähne hat putzen lassen, weiß, wie schmerzhaft das sein kann, wenn die Zahnbürste irgendwo in die Backentasche stößt!

Wer möchte, kann auch Zahnpasta verwenden. Es gibt Zahnpasta extra für Hunde, in den entsprechenden Geschmacksrichtungen. Allerdings sollte darauf geachtet werden, dass kein Zucker in der Zahnpasta enthalten ist.

Ich empfehle in meiner Praxis zusätzlich zum täglichen Zähneputzen 2x pro Woche die Zähne mit Fortan Zahnpflege zu reinigen. Fortan ist eine Lösung auf Kokosölbasis und enthält antibakterielle Kräuter. Gibt man es auf den Fingerling und reibt damit Zahn und Zahnfleisch ab, kann leichter Zahnstein entfernt werden und das Zahnfleisch wird gepflegt.

Hängt der Zahnbelag mit der Ernährung des Hundes zusammen?

Nicht der Zahnbelag an sich, aber die Besiedlung des Zahnbelages mit Bakterien hängt stark von der Ernährung ab. Wie zuvor schon erwähnt, benötigen die Bakterien um wachsen und sich vermehren zu können, Kohlenhydrate. Um das Wachstum der Bakterien möglichst gering zu halten, sollte der Hund möglichst kohlenhydratfrei ernährt werden.

Kohlenhydrate finden sich in Form von Stärke oder Fruchtzucker in Getreide, Kartoffeln, Karotten, Äpfeln, Pastinaken etc.. in vielen Fertigfuttern. Sie werden als Füllstoff, Energielieferant, aber auch als Kleber hinzugefügt. Die Krocks des Trockenfutters würden ohne diese Kohlenhydrate zerfallen. Auch viele Nassfutter enthalten Kohlenhydrate, binden so die Flüssigkeit des Fleisches und werden dadurch fest (wie z. B. Sossenbinder). Nassfuter ohne zur Bindung hinzugefügte Kohlenhydrate erkannt man daran, dass das Futter nicht eine homogene Masse ist. Fleischsaft ist ausgetreten, gelegentlich sieht man Fettstückchen und Flüssigkeit in der Dose.

Besonders empfehle ich die Frischfleisch-Fütterung (BARF). Hier kann man selbst bestimmen, wie das Futter zusammengesetzt ist. Mit gelegentlich einem großen Stück Fleisch oder einem knorpeligen Knochen putzt sich der Hund dann selbst die Zähne.

Vorschau 3. Teil

Im 3. Teil beschäftige ichmich mit dem Thema Zahnstein, Risiken des Zahnsteins und Zahnsteinentfernung.

28. Juni 2018
von Sabine Schlebusch
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Maulhygiene des Hundes 1. Teil (Anatomie)

Seit mehr als 4 Jahren biete ich in meiner Praxis Zahnsteinentfernung ohne Narkose an.

Der Zahnstein des Hundes ist, genauso wie der des Menschen, nicht nur ein kosmetisches, sondern vor allem ein gesundheitliches Problem. Statistiken sagen, dass 80% aller Hunde ab einem Alter von 3 Jahren unter Zahnstein leiden. Dieser ist abhängig von Veranlagung, aber auch abhängig von Fütterung und Pflege unterschiedlich stark ausgeprägt. Häufig wird der Zahnstein des Hundes erst aufgrund des schlechten Maulgeruches wahrgenommen.

Um zu verstehen, wie Zahnstein entsteht und was man prophylaktisch dagegen tun kann, muss man sich zunächst mit  der Anatomie des Hundemauls vertraut machen.

Die Zähne des Hundes

Der Oberkiefer des Hundes trägt auf jeder Seite 6 Backenzähne, 1 Eck- oder Fangzahn und 3 Schneidezähne.

Der Unterkiefer beherbergt auf jeder Seite 7 Backenzähne, 1 Eck- oder Fangzahn und 3 Schneidezähne.

Wie man auf den Bildern schön sehen kann, unterscheiden sich die Zähne stark sowohl in ihrer Form als auch in ihrer Größe je nach Funktion.

Der Eck- oder Fangzahn:

Besonders fällt hier der Eck- oder Fangzahn (Caninus) auf. Der Hund hat davon 4 Stück. 2 im Ober- und 2 im Unterkiefer, jeweils getrennt durch die Schneidezähne. Er ist besonders lang und spitz. Die Fangzähne werden bei den Raubtieren dazu genutzt, sich in die Beute zu verbeißen und ein Entkommen der Beute zu verhindern.

Der Reißzahn

Die nächsten auffallenden Zähne sind die Reißzähne (oberer 4. Prämolarer, unterer 1. Molarer). Sie bilden die Brechschere und haben schneidend-brechende Funktion. Mit ihnen werden beim Fressen Muskelstränge, Sehnen, Knorpel und Knochen durchtrennt.

Die Schneidezähne sind klein und werden zum Abnagen und Putzen verwendet.

Das Gebiß des Fleischfressers

Auffallend ist, dass die Zähne anders als bei uns Menschen und bei Pflanzenfressern, keine Kauflächen haben. Sie laufen eher spitz und scharf zu. Das Gebiß ist nicht dazu gedacht etwas zu zermahlen, sondern es zu zerschneiden. Das spiegelt sich auch in der Beweglichkeit des Kiefers wieder. Seitwärts-, also Mahlbewegungen sind im Fleischfressergebiß kaum möglich, nur Auf- und Zu-Bewegungen, wie bei einer Schere. Man nennt das Gebiss des Fleischfressers auch Scherengebiß.

Vorschau auf Teil 2:

Im 2 Teil beschäftige ich mich mit dem zahnbelag oder auch Zahnplaque des Hundes, warum er gefährlich ist und wie ich ihn vermeiden kann.

(Bilder aus: Anatomie der Haustiere, Band II, 6. Auflage, Nickel, Schummer, Seiferle)